2020 – der Jahresrückblick

Auch in diesem sehr speziellen Jahr wieder ein Rückblick auf die letzten zwölf Monate Teilzeitinvestieren.

Der große Crash, auf den ich jetzt schon seit vielen Jahren warte, schien „dank“ Corona dieses Jahr tatsächlich zu passieren. Im März rauschten die Börsen weltweit in den Keller. Ich war allerdings skeptisch, ob das schon alles gewesen sein kann, und hab leider nur sehr begrenzt zugekauft.  Mittlerweile sind wir schon wieder bei Allzeithochs in den USA und im DAX (bei letzterem allerdings nur dank der enhaltenen Dividenden). Ich trau dem Braten immer noch nicht, habe aber zumindest meinen ETF-Sparplan das Jahr über brav weiterlaufen lassen.

Aktien

An Einzelaktien habe ich dieses Jahr genau einen Kauf getätigt, und zwar exakt dieselbe Aktie wie im letzten Jahr: Walgreens Boots Alliance, ein Dividendenaristokrat, der in den letzten Jahren arg unter die Räder gekommen ist. Besonders glücklich war das nicht, vom vermeintlich günstigen Nachkaufkurs von 34,40 Euro ist die Aktie aktuell nochmal fünf Prozent gefallen, und das bei mittlerweile wieder Rekordständen im S&P 500. Zumindest steigt die Dividende weiter langsam an und wird in schöner Regelmäßigkeit jedes Quartal überwiesen. Aber mit Apple, Tesla und Co. wäre ich dieses Jahr eindeutig glücklicher geworden.

Beste Aktie 2020

Amazon und Netflix besitze ich nicht, aber einen Corona-Profiteur habe ich im Depot: Deutsche Post AG ist dieses Jahr knapp 20 Prozent gestiegen. Da ich die Aktie schon lange im Depot habe, liege ich insgesamt fast 200 Prozent im Plus, die regelmäßig ausgeschütteten Dividenden nicht mit eingerechnet. Hier hat sich Buy and Hold mal ausgezahlt.

Schlechteste Aktie 2020

Lufthansa habe ich durch mein Stop-Loss Experiment zum Glück vor der Corona-Panik verkauft. Daher war die schlechteste Aktie 2020 interessanterweise das Unternehmen, das 2019 noch am besten performt hatte: Xerox Corp, eine Depotleiche aus Dot-Com Zeiten. 2019 war Xerox 80 Prozent in die Höhe geschossen, dieses Jahr ging es dann im Corona-Crash über 60 Prozent südwärts, mittlerweile hat sich Xerox wieder etwas berappelt, liegt aber immer noch auf Jahresbasis über 40 Prozent im Minus. Warum das auf und ab, kann ich nicht sagen, ich hab die Aktie nur noch aus Folklore im Depot. Vermutlich braucht man seit Corona weniger Drucker.

Indexfonds

2020 bin ich bei meinem Brot-und-Butter ETF auf den Stoxx Europe 600 vom Anbieter iShares auf Vanguard umgestiegen. Diesen ETF habe ich durchgängig per Sparplan bespart und im Januar die Rate sogar etwas erhöht.

Im Crash-März habe ich eine größere Position in Vanguards Asien-ETF  gesteckt. Das war ganz schlau und hat Stand heute gut zwölf Prozent Plus gebracht, exklusive Dividendenzahlung. Vom US Markt habe ich mich weiterhin ferngehalten, weil ich das Bewertungsniveau dort nach wie vor für absolut übertrieben halte, aber das sage ich schon seit Jahren, und habe damit leider viele sehr gute Börsenjahre verschenkt. Aber wer weiss was 2021 passiert, abgerechnet wird am Schluss.

Zu den Dividendenrenditen der Indexfonds wird es Anfang Januar wie üblich hier noch einen detaillierten Jahresendauswertung geben.

Festgeld und Tagesgeld

Zinsen gibt es praktisch nicht mehr, Anbieter wie Moneyou, die sich in der Vergangenheit auf Tagesgeld & Co. spezialisiert hatten, streichen ihr Angebot komplett.

Mit der akf Bank habe ich dieses Jahr noch einen Festgeldanbieter aufgetrieben, der bei deutscher Einlagensicherung zumindest 0,75 Prozent auf zwei Jahre bezahlt hat, mittlerweile sind die Konditionen hier auch weiter nach unten gegangen. Reich wird man damit nicht, selbst die Inflation gleicht das kaum aus. Aber besser als null Prozent oder gar Minuszinsen, wie sie jetzt sogar die Ing Diba einführen will.

Gesamtperformance

Mein Net Worth ist 2020 um knapp zehn Prozent gestiegen. Nicht ganz so stark wie 2019, aber bei Zinsen am Nullpunkt und zwischenzeitlichem Minicrash an den Börsen immer noch ganz ok. Wobei hier nicht nur Kurssteigerungen, Zinsen und Dividenden eingeflossen sind, sondern auch zusätzlich angespartes Geld, von dem aufgrund einer Sonderzahlung dieses Jahr etwas mehr übrig war. Der Aktienanteil liegt bei 36 Prozent, zwei Prozent höher als noch 2019.

Blog

Immerhin acht Artikel habe ich dieses Jahr geschrieben, diesen nicht eingerechnet. Eine fulminante Steigerung von 100 Prozent im Vergleich zu 2019, aber ehrlich gesagt deutlich weniger als ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte.

Ganz gut hat sich mein Twitter-Kanal entwickelt: Mit über 1.000 Followern gelte ich da jetzt offiziell als Micro-Influenzer, und kann da demnächst vermutlich lukrativ Heizdecken und Proteinshakes bewerben.

Um mir DSGVO-technisch keinen Stress zu machen, habe ich Cookies und Tracking hier im Blog komplett rausgeschmissen. Da ich keine Werbung schalte brauche ich den Analytics-Kram auch nicht, allerdings habe ich dadurch auch keine Rückmeldung mehr darüber, wieviele Leute hier eigentlich mitlesen. Umso netter, wenn ab und zu Feedback in Form von Kommentaren zurückkommt, vielen Dank dafür.

Allen Lesern vielen Dank für die Aufmerksamkeit, einen guten Rutsch ins neue Jahr, und für 2021 weniger Corona, weniger Trump und dafür mehr Zinsen und Dividenden!

Nachkauf: Walgreens Boots Alliance

Wertpapier Kauf

Wenn man eines beim Lesen dieses Blogs feststellen kann, dann dass ich aus Erfahrung nicht klug werde. Eigentlich predige ich ja hier schon seit jeher das Loblied auf passives Investieren mit Indexfonds. Dennoch kann ich es nicht lassen, ab und zu doch mal wieder einen vielversprechenden Einzeltitel zu kaufen, weil ich vermeintlich schlauer bin als der Markt. Und dann rückblickend feststelle, dass ein simpler ETF All World deutlich mehr Rendite gebracht hätte.

Letztes Jahr war das Einzelinvestment Walgreens Boots Alliance, ein sogenannter Dividendenaristokrat, der seit Jahrzehnten zuverlässig eine stetig steigende Dividende zahlt. Der Kurs war unverständlicherweise auf einem Tiefpunkt, da hieß es zuschlagen. Mit dem Kauf hatte ich scheinbar ein glückliches Händchen, denn der Kurs schnellte bis Jahresende um 13 Prozent nach oben, die Dividende wurde pünktlich gezahlt, und zusätzlich winkte eine lukrative Übernahme durch einen Finanzinvestor.

Enter Corona

2020 kam dann aber der Covid-19 Einbruch auf den Märkten. Eigentlich wären Pandemiezeiten für einen Gesundheits- und Nahversorger wie Walgreens gar nicht so schlecht: Neben Medikamenten und Desinfektionsmitteln bekommt man bei Walgreens in den USA nämlich auch Klopapier, Dosensuppen und alles andere was man für die Quarantänevorbereitung benötigt. Der Umsatz ist im zurückliegenden Geschäftsjahr tatsächlich auch leicht gestiegen, dennoch hatte man insgesamt einen saftigen Verlust zu verbuchen. Insbesondere das Geschäft in Großbritannien unter der Marke Boots läuft wohl nicht rund, und man reagiert mit Jobabbau und Filialschließungen.

Der Aktienkurs ist entsprechen unter die Räder gekommen, und hat sich im Gegensatz zum Gesamtmarkt bislang auch nicht wieder erholt. Ganz im Gegenteil, nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen in der letzten Woche stürzte die Aktien nochmal um in der Spitze bis zu 10 Prozent ab. Für mich der Zeitpunkt, nochmal kräftig nachzukaufen. Im Vergleich zum Einstandskurs von 2019 waren die Anteile jetzt über ein Viertel günstiger. Das muss nicht heissen, dass es nicht noch weiter nach unten gehen kann, aber für den Moment war das erstmal ein guter Einstiegspunkt, der Kurs hat sich seitdem wieder leicht erholt.

Diese kurzfristigen Schwankungen sind aber ziemlich irrelevant, mir geht es darum, wie das Investment in fünf oder zehn Jahren da steht. Und hier glaube ich weiterhin, dass das Thema Gesundheitsversorgung langfristig lukrativ und krisensicher ist.  Das reine Retailgeschäft des Verteilens von Arzneimitteln mag zukünftig immer mehr durch Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon unter Druck geraten. Aber abgesehen davon, dass Walgreens natürlich auch selber schon länger im Onlineversand aktiv ist, nutzt man den Vorteil des landesweiten eigenen Filialnetzes indem man die eigenen Märkte in Richtung Gesundheitsversorgung ausbaut.

Dorfdoktor

Durch die Übernahme von VillageMD hat Walgreens zukünftig neben dem Drogeriemarkt gleich eine Hausarztversorgung im gleichen Haus. Das Rezept das der Arzt dort ausstellt, kann dann nebenan gleich eingelöst werden. Konkurrent CVS, bei dem ich ebenfalls Aktionär bin, geht da schon länger einen ähnlichen Weg, mit den eigenen „Minute Clinics“. Vor dem Hintergrund der in den USA ins absurde steigende Kosten für Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung wird so eine vergleichsweise preisgünstige standardisierte Basisversorgung für immer breitere Bevölkerungsgruppen wichtig, und sollte sich daher auch für Walgreens rechnen.

Kauf dich nicht selbst

Die Dividende scheint trotz des verlustreichen zurückliegenden Geschäftsjahres erstmal weiter sicher zu sein, man hebt die Ausschüttung sogar weiter an, um den Titel des Dividendenaristokraten nicht zu verlieren. Nur den Aktienrückkauf hat man erstmal eingestellt, was ich aber auch eher begrüße: Firmengeld in den Kauf eigener Aktien zu stecken ist für mich so ziemlich das unsinnigste, was ein Unternehmen machen kann, auch wenn der Rückkauf durch steigende Kurse den Aktionären zugute kommen soll. Wenn ein Unternehmen mit dem verdienten Geld nichts anzufangen weiss, soll es das Geld schlicht an die Eigentümer ausschütten – genau dafür sind Dividenden ja da  – und nicht nicht mit eigenen Aktien spekulieren. Sieht man sich den Kurschart von Walgreens an, war der Rückkauf der eigenen Aktien in den letzten Jahren nichts anderes als eine große Geldverbrennungsmaschine. Das Spekulieren mit Aktien bekomme ich schon selber nicht hin, da sollte dann bitte Walgreens auch die Finger von lassen.

 

Disclaimer:

Die Inhalte dieser Website stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sämtliche Aussagen und Einschätzungen basieren auf der persönlichen Meinung des Autors und sind explizit keine Anlageberatung.

Jetzt einsteigen oder Puts kaufen?

Mit meiner letzten Prognose lag ich ziemlich richtig: Der Crash ist noch nicht vorbei, die auf heftige Absturztage folgenden rapiden Aufwärtsbewegungen sind immer nur von kurzer Dauer, bis es dann wieder weiter nach unten geht. Im Englischen gibt es für diese kurzzeitigen Aufwärtsbewegungen die schöne Bezeichnung „sucker rally“. Das wird auch noch einige Zeit so weitergehen.

The best worst is yet to come

Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass wir das schlimmste noch nicht gesehen haben. Vor allem nicht in den USA. In Deutschland und Europa wird nach anfänglichem Zögern mittlerweile sehr konsequent gehandelt, was die Pandemiemaßnahmen angeht. Und die Börsenkurse in Europa sind, obwohl die Fallhöhe im Vergleich zu den USA eh schon deutlich geringer war, mittlerweile auf einem auch in absoluten Zahlen sehr niedrigen Niveau angelangt.

Dem Kurs-Gewinnverhältnis oder der Dividendenrendite sollte man hier keine große Aufmerksamkeit widmen, da die Unternehmen in den nächsten Monaten reihenweise nach ihre Gewinnprognosen streichen werden. Aber unabhängig davon bekommt man den DAX mittlerweile zum Buchwert, was so häufig in der Geschichte noch nicht vorgekommen ist. Der DAX-Kursindex (also ohne Dividenden) ist auf den Stand von vor zehn Jahren angekommen. Das heißt nicht, dass es nicht auch hier nochmal weiter runter gehen kann, aber es ist schon einiges an negativer Entwicklung in den Kursen vorweggenommen.

Ganz anders in den USA: Dort wird erst seit ein paar Tagen so richtig realisiert, welche Auswirkungen das Coronavirus hat. Mittlerweile gibt es auch hier punktuell Ausgangssperren und ähnliche Maßnahmen, aber diese kamen in bezug auf die Infektionszahlen deutlich später als in Europa, und zumindest in der Fläche noch nicht konsequent genug umgesetzt. Was bei einer exponentiellen Entwicklung einer Pandemie sehr schnell einen sehr dramatischen Unterschied machen kann. Alleine in New York gibt es mittlerweile mehr Infizierte als in ganz Frankreich. Die Börsenkurse sind zwar auch in den USA stark gefallen, aber von einem viel höheren Bewertungsniveau, und auch noch nicht so stark wie in Europa. Hier ist also noch sehr viel Luft nach unten.

Puttin‘ on the Dow

Ich habe tatsächlich das erste Mal in meiner Anlegerkarriere überlegt, Optionen zu kaufen, genauer gesagt Put Optionen auf den S&P500 oder wahlweise den Dow. Was mich vor allem davon abhält ist die Tatsache, dass ich von Optionen keine Ahnung habe. Und dass mir als Langfristanleger ein kurzfristiger Tradinggewinn nur bedingt etwas bringt. Abgesehen davon ist es kaum vorherzusagen, wie tief es noch runtergehen wird. Die Trump-Administration wird alles daran setzen, dass die Börse nicht komplett abstürzt, um Trumps Wiederwahl nicht zu gefährden. Und mit ein paarhundert Milliarden US-Dollar Steuergeld kann den Absturz sicher etwas abfedern.

Und irgendwann muss man als Langfristanleger dann ja auch (wieder) einsteigen. Ich hab mir ein mentales Limit gesetzt, ab dem ich erste Positionen beim S&P 500 aufbauen werde. Das ist gar nicht mal so weit vom heutigen Kursstand des S&P 500 entfernt. Der Einstiegszeitpunkt wird vermutlich zu früh sein. Aber selbst wenn wir jetzt erst die Hälfte des Absturzes hinter uns haben, wäre das mit ein paar Nachkäufen zu tieferen Ständen dann keine so schlechte Ausgangsbasis. Denn irgendwann geht’s auch wieder nach oben. Ob das schon dieses Jahr der Fall ist, oder erst nach ein paar Jahren Bärenmarkt, spielt für mich keine so große Rolle.

Ist das jetzt schon der Crash?

Nachdem heutigen Blutbad sind die Börsen weltweit jetzt auch offiziell im „Bärenmarkt“ angekommen, was per Definition ein Rückgang von mehr als zwanzig Prozent vom Höchststand bedeutet. War das jetzt schon der Crash? Oder steht uns das schlimmste noch bevor?

Zu viele Optimisten

Wenn ich als Referenz die beiden anderen großen Börsencrashs heranziehe, die ich selber erlebt habe – die DotCom-Krise um die Jahrtausendwende und die Finanzkrise 2008 – sind wir noch ganz am Anfang der Crashphase. Und zwar gar nicht mal aufgrund der drohenden Corona-Effekte auf die Realwirtschaft. Sondern schlicht, weil immer noch viel zu viele Anleger auf den Wiedereinstieg warten, damit die Kursrally der letzten Jahre weitergehen kann.

Als der Dow Jones am Montag um über 2.000 Punkte abstürzte, rief das am nächsten Tag sofort die Schnäppchenjäger auf den Plan, die den Index direkt wieder um 1.200 Punkte in die Höhe schießen ließen. Niemand will im Moment die Kaufgelegenheiten verpassen, die sich scheinbar bieten. Es würde mich nicht wundern, wenn nach dem heutigen Mini-Crash auch erstmal wieder eine heftige Gegenreaktion erfolgt.

Salamitaktik

Das war in früheren Crashphasen auch so: Es geht nicht in einem Rutsch runter, sondern zwischendurch immer wieder rasant bergauf, weil vermeintliche Kaufgelegenheiten locken, und niemand die Trendwende nach oben verpassen will. Und wenn es dann ein paar Tage später doch wieder weiter runtergeht, kommen die nächsten Käufer, die sich billig eindecken wollen.

Der Tiefpunkt ist erst dann erreicht, wenn es einen regelrechten Käuferstreik gibt, weil sich alle mehrfach die Finger beim zu frühen Wiedereinstieg verbrannt haben. Die Stimmung muss schon komplett im Keller sein, bevor es dann wieder wirklich nachhaltig aufwärts gehen kann. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Das merke ich auch an mir selber: Mir juckt es bei Kursständen von 9 Euro für eine Lufthansa-Aktie schon wieder in den Fingern. Obwohl klar ist, dass 2020 für Airlines rabenschwarzes Jahr wird, und die Coronapanik für viele Unternehmen in der Touristikbranche existenzbedrohend wird.

Auch mit Blick auf die historischen Kennzahlen sind wir von niedrigen Bewertungsständen noch meilenweit entfernt. Zumindest die US-Werte sind immer noch auf schwindelerregendem Niveau. Eine Microsoft, die in den letzten Tagen um ein Viertel eingebrochen ist, steht auf Jahressicht immer noch um über ein Drittel im Plus. Und das Kurs/Gewinnverhältnis ist mit über 27 auch nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen. Gleiches Bild bei Schwergewicht Apple: Auf Jahressicht ist die Aktie immer noch fünfzig Prozent im Plus, das KGV liegt auch noch bei über 20. Und diese Kurs/Gewinnverhältnisse haben den Einbruch der Firmengewinne, den wir in den nächsten Monaten coronabedingt sehen werden, noch gar nicht eingerechnet.

Bärenjahre

Es ist also noch einiges an Luft in den Kursen. Ob es noch weitere 20, 30 oder 50 Prozent runtergeht, kann niemand vorhersagen. Und den Tiefpunkt zum Einstieg zu erwischen, ist eh unrealistisch. Daher halte ich es für durchaus ok, schon jetzt langsam wieder in den Markt einzusteigen, wenn man langfristig investiert bleiben will. Aber nur in kleinen Schritten, denn die Kaufgelegenheiten von heute können die Mondpreise von morgen sein. Und so ein Bärenmarkt kann sich, genau wie die zurückliegende neunjährige Hausse, auch mal über Jahre hinziehen.

2019 – der Jahresrückblick

Den letzten Rückblick gab’s hier 2017, wird also mal wieder Zeit für eine neue Rückschau auf die letzten zwölf Monate Teilzeitinvestieren.

Auch 2019 habe ich auf den großen Crash gewartet, der endlich vernünftige Kaufkurse bringen sollte. Das mache ich jetzt schon seit vielen Jahren, ohne das was passiert. Nuja, wenn man dem aktuellen Bestseller glauben darf, kommt die Mutter aller Börsencrashs jetzt aber ganz bestimmt bis spätestens 2023. Bis dahin werde ich wohl weiter den steigenden Kursen hinterherschauen und im wesentlichen nur meinen Sparplan besparen. Aber der Reihe nach:

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Deutsche Bank vs. Bier: Was ist die bessere Kapitalanlage?

Faszinierend: Wer vor fünf Jahren 1.000 Euro in die Deutsche Bank investiert hat, besitzt jetzt nur noch Aktien im Wert von 237 Euro. Hätte man stattdessen für das gleiche Geld Bier gekauft, hätte man die letzten Jahre jeden Monat über eine Kiste trinken können und immer noch 239 Euro an Pfandgeld übrig. Und damit sogar mehr in der Tasche als der Deutsche-Bank Aktionär.

Zum Nachrechnen:

deutsche bank logo

Deutsche Bank:
Xetra-Schlusskurs am 15.01.2014: 33,99 Euro – für 1.000 Euro gab es damals 29,42 Aktien
Xetra-Schlusskurs am 04.12.2018: 8,06 Euro – die 29,42 Aktien sind nur noch 237,13 Euro wert.

Bier:
70 Kisten Bier à 10,90 Euro (üblicher Angebotspreis im Supermarkt, da muss man noch nicht mal zu Oettinger greifen), plus 3,42 Euro Pfand pro Kiste, macht zusammen 1002,40 Euro
Am Ende übrig: 70 Kisten Leergut à 3,42 Euro, macht 239,40 Euro Pfandgeld.

Der Fairness halber: in diesem Zeitraum wurde insgesamt rund ein Euro pro Aktie an Dividende ausgeschüttet, damit läge der DB-Aktionär im Vergleich zum Leergutsammler ganz leicht im Plus, und hätte auch vermutlich nicht so einen großen Bierbauch…

Wenn man sich die Kursdaten auf der Website der deutschen Börse anschaut, ist der Kursverlust sogar noch dramatischer, denn hier stand die Aktie im Januar 2014 noch bei fast 40 Euro. Allerdings gab es 2014 und 2017 Kapitalerhöhungen bei der Deutschen Bank, bei denen die Altaktionäre jeweils ein geldwertes Bezugsrecht bekamen. In den Kursdaten z.b. bei der Comdirect sind diese Kapitalerhöhungen als „Aktiensplit“ in die Kurse eingerechnet, was den Kursverfall etwas abmildert.

Der Witz mit Bier und Deutscher Bank ist übrigens schon ein wenig älter, lässt sich aber erschreckenderweise immer wieder recyclen. Denn das ganze hat auch schon 2008 nach der Lehman Pleite funktioniert, damals war das Biertrinken noch etwas lukrativer:

Die Deutsche Bank Aktie war innerhalb von nur eineinhalb Jahren von 114 auf knapp 26 Euro abgestürzt. Damals hätte das Geld in Bier investiert sogar jede Woche für eine Kiste Bier gereicht, und am Ende wäre mehr Geld in Pfand übrig geblieben als bei einer Investition in Deutsche Bank Aktien.

Verkauf: Conduent

Der dritte Teil meines Stop Loss Experiments: Nach Lufthansa und Highlight ist auch bei Conduent die Reißleine gezogen worden.

Conduent habe ich selber gar nicht gekauft, und ich weiss bis heute nicht so genau, was der Laden eigentlich macht. Die Aktien habe ich vor zwei Jahren als Anteilseigner von Xerox bekommen. Der Druckerhersteller hatte sein „Business Process Outsourcing“ Geschäft abgespalten und als Conduent an die Börse gebracht. Alle Xerox-Investoren haben entsprechend Aktien vom neuen Unternehmen bekommen. Diese Aktien durfte ich dann auch noch versteuern, weil man jetzt ja statt einer ganze Torte zwei Stück Torte hat, was aus Sicht des Finanzamtes ein geldwerter Vorteil ist.

Anyway, die gute Nachricht ist, dass sich Conduent an der Börse ganz ok entwickelt hat: Von anfangs knapp 13 Euro stieg der Kurs in der Spitze auf 20 Euro. Allerdings war meine Position auch mit gestiegenem Kurs noch ziemlich mickrig, so dass ich Conduent mit einem trailing stop loss auf die „Zu Verkaufen“ Liste gesetzt habe, um mein Depot mittelfristig etwas aufzuräumen.

Diesmal hat das mit dem nachziehenden Stop Loss sogar halbwegs funktioniert: Im August stand der Kurs bei 18,26 Euro, den Stop Loss habe ich mit gebührendem Abstand auf 16,49 Euro gesetzt, damit er nicht sofort bei einer kleinen Tagesschwankung ausgelöst wird.

Conduent legte die nächsten Wochen kontinuierlich zu, und der Stop Loss zog nach. Anfang Oktober gings dann aber im allgemeinen Strudel wieder deutlich runter und der Stop Loss hat bei 18,31 Euro ausgelöst.

Im Vergleich zum direkten Verkauf habe ich mit dem Stop Loss also sensationelle fünf Cent pro Aktie mehr verdient. In Summe hat mir das sage und schreibe 1,50 Euro mehr eingebracht.

Der geneigte Leser kann jetzt per einfachem Dreisatz den Gesamtwert meiner Conduent-Aktien erschließen  – und mit etwas Recherche sogar die Größe meiner Xerox-Position ermitteln. Mit letzterer liege ich übrigens nach 19 Jahren Haltedauer immer noch satt im Minus. Da sage nochmal jemand dass langfristiges Halten von Aktien sich am Ende immer auszahlt.