2020 – der Jahresrückblick

Auch in diesem sehr speziellen Jahr wieder ein Rückblick auf die letzten zwölf Monate Teilzeitinvestieren.

Der große Crash, auf den ich jetzt schon seit vielen Jahren warte, schien „dank“ Corona dieses Jahr tatsächlich zu passieren. Im März rauschten die Börsen weltweit in den Keller. Ich war allerdings skeptisch, ob das schon alles gewesen sein kann, und hab leider nur sehr begrenzt zugekauft.  Mittlerweile sind wir schon wieder bei Allzeithochs in den USA und im DAX (bei letzterem allerdings nur dank der enhaltenen Dividenden). Ich trau dem Braten immer noch nicht, habe aber zumindest meinen ETF-Sparplan das Jahr über brav weiterlaufen lassen.

Aktien

An Einzelaktien habe ich dieses Jahr genau einen Kauf getätigt, und zwar exakt dieselbe Aktie wie im letzten Jahr: Walgreens Boots Alliance, ein Dividendenaristokrat, der in den letzten Jahren arg unter die Räder gekommen ist. Besonders glücklich war das nicht, vom vermeintlich günstigen Nachkaufkurs von 34,40 Euro ist die Aktie aktuell nochmal fünf Prozent gefallen, und das bei mittlerweile wieder Rekordständen im S&P 500. Zumindest steigt die Dividende weiter langsam an und wird in schöner Regelmäßigkeit jedes Quartal überwiesen. Aber mit Apple, Tesla und Co. wäre ich dieses Jahr eindeutig glücklicher geworden.

Beste Aktie 2020

Amazon und Netflix besitze ich nicht, aber einen Corona-Profiteur habe ich im Depot: Deutsche Post AG ist dieses Jahr knapp 20 Prozent gestiegen. Da ich die Aktie schon lange im Depot habe, liege ich insgesamt fast 200 Prozent im Plus, die regelmäßig ausgeschütteten Dividenden nicht mit eingerechnet. Hier hat sich Buy and Hold mal ausgezahlt.

Schlechteste Aktie 2020

Lufthansa habe ich durch mein Stop-Loss Experiment zum Glück vor der Corona-Panik verkauft. Daher war die schlechteste Aktie 2020 interessanterweise das Unternehmen, das 2019 noch am besten performt hatte: Xerox Corp, eine Depotleiche aus Dot-Com Zeiten. 2019 war Xerox 80 Prozent in die Höhe geschossen, dieses Jahr ging es dann im Corona-Crash über 60 Prozent südwärts, mittlerweile hat sich Xerox wieder etwas berappelt, liegt aber immer noch auf Jahresbasis über 40 Prozent im Minus. Warum das auf und ab, kann ich nicht sagen, ich hab die Aktie nur noch aus Folklore im Depot. Vermutlich braucht man seit Corona weniger Drucker.

Indexfonds

2020 bin ich bei meinem Brot-und-Butter ETF auf den Stoxx Europe 600 vom Anbieter iShares auf Vanguard umgestiegen. Diesen ETF habe ich durchgängig per Sparplan bespart und im Januar die Rate sogar etwas erhöht.

Im Crash-März habe ich eine größere Position in Vanguards Asien-ETF  gesteckt. Das war ganz schlau und hat Stand heute gut zwölf Prozent Plus gebracht, exklusive Dividendenzahlung. Vom US Markt habe ich mich weiterhin ferngehalten, weil ich das Bewertungsniveau dort nach wie vor für absolut übertrieben halte, aber das sage ich schon seit Jahren, und habe damit leider viele sehr gute Börsenjahre verschenkt. Aber wer weiss was 2021 passiert, abgerechnet wird am Schluss.

Zu den Dividendenrenditen der Indexfonds wird es Anfang Januar wie üblich hier noch einen detaillierten Jahresendauswertung geben.

Festgeld und Tagesgeld

Zinsen gibt es praktisch nicht mehr, Anbieter wie Moneyou, die sich in der Vergangenheit auf Tagesgeld & Co. spezialisiert hatten, streichen ihr Angebot komplett.

Mit der akf Bank habe ich dieses Jahr noch einen Festgeldanbieter aufgetrieben, der bei deutscher Einlagensicherung zumindest 0,75 Prozent auf zwei Jahre bezahlt hat, mittlerweile sind die Konditionen hier auch weiter nach unten gegangen. Reich wird man damit nicht, selbst die Inflation gleicht das kaum aus. Aber besser als null Prozent oder gar Minuszinsen, wie sie jetzt sogar die Ing Diba einführen will.

Gesamtperformance

Mein Net Worth ist 2020 um knapp zehn Prozent gestiegen. Nicht ganz so stark wie 2019, aber bei Zinsen am Nullpunkt und zwischenzeitlichem Minicrash an den Börsen immer noch ganz ok. Wobei hier nicht nur Kurssteigerungen, Zinsen und Dividenden eingeflossen sind, sondern auch zusätzlich angespartes Geld, von dem aufgrund einer Sonderzahlung dieses Jahr etwas mehr übrig war. Der Aktienanteil liegt bei 36 Prozent, zwei Prozent höher als noch 2019.

Blog

Immerhin acht Artikel habe ich dieses Jahr geschrieben, diesen nicht eingerechnet. Eine fulminante Steigerung von 100 Prozent im Vergleich zu 2019, aber ehrlich gesagt deutlich weniger als ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte.

Ganz gut hat sich mein Twitter-Kanal entwickelt: Mit über 1.000 Followern gelte ich da jetzt offiziell als Micro-Influenzer, und kann da demnächst vermutlich lukrativ Heizdecken und Proteinshakes bewerben.

Um mir DSGVO-technisch keinen Stress zu machen, habe ich Cookies und Tracking hier im Blog komplett rausgeschmissen. Da ich keine Werbung schalte brauche ich den Analytics-Kram auch nicht, allerdings habe ich dadurch auch keine Rückmeldung mehr darüber, wieviele Leute hier eigentlich mitlesen. Umso netter, wenn ab und zu Feedback in Form von Kommentaren zurückkommt, vielen Dank dafür.

Allen Lesern vielen Dank für die Aufmerksamkeit, einen guten Rutsch ins neue Jahr, und für 2021 weniger Corona, weniger Trump und dafür mehr Zinsen und Dividenden!

Der Crash ist schon da

Seit einigen Jahren schon warten alle auf den großen Crash, der die ungewöhnlich lange Aufwärtsbewegung an den Börsen beendet. Tatsächlich drehte sich schon der erste Beitrag in diesem Blog vor dreieinhalb Jahren um dieses Thema. Es gab zwischenzeitlich zwar immer mal wieder ein paar kleinere Korrekturen an den Märkten, aber der Aufwärtstrend ist seit fast 10 Jahren intakt, weder Brexit noch Trump konnten der Aktieneuphorie bislang nennenswert schaden.

Mittlerweile verdunkeln sich die Wolken aber zusehends, der beginnende Zoll- und Wirtschaftskrieg zwischen USA, EU und China trübt die Aussichten für die Weltwirktschaft. Und was soll ich sagen, bei mir ist der Börsencrash im Depot schon angekommen. Seit Anfang des Jahres hat sich fast ein Viertel des Depotwertes in Luft aufgelöst.

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Der perfekte Wodka

wodka

Nachdem wir hier schon den perfekten ETF für alle möglichen Weltregionen gesucht (und gefunden) haben, können wir uns langsam den wirklich wichtigen Fragen zuwenden: Was ist eigentlich der perfekte Wodka?

Ich weiss, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht: Was hat das ganze mit Aktien, Börse und Finanzen zu tun? Nun, nicht viel, aber zumindest genug, dass sich die Macher des exzellenten amerikanischen Finanzpodcasts „Planet Money“ damit beschäftigt haben.

Zur Vorgeschichte muss man wissen, dass ich eigentlich eher Wein- und Biertrinker bin, und abgesehen von Gin&Tonic harten Alkoholika eher wenig abgewinnen kann. Whiskey oder Wodka gehören für mich eher in die Kategorie „Brennspiritus“: sicher ganz effektiv, um sich zu betrinken, aber kein Genuss. Bis mich dann mal ein Freund eines besseren belehren wollte und mir einen Grey Goose Vodka vorgesetzt hat. Und siehe da, der schmeckte gar nicht nach Feuerwasser, sondern erstaunlich mild und harmonisch. Gut, immer noch nicht so toll als dass ich jetzt abends vor dem Kamin statt Rotwein russischem Schnapps ins Glas schenke. Aber ich kann seitdem zumindest nachvollziehen, warum jemand 40 Euro für eine Flasche Grey Goose ausgibt, obwohl das mehr als das dreifache ist, als für eine Flasche Absolut Vodka fällig wird.

Nun sind die Podcaster von Planet Money genau dieser Frage nachgegangen: Ist ein Premium Wodka wie Grey Goose eigentlich sein Geld wert?

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2017 – der Jahresrückblick

2017

Mittlerweile ist man mit einem Jahresrückblick Mitte Dezember ja schon spät dran, RTL & Co haben die großen „So war 2017“ Shows schon Anfang des Monats gesendet. Daher also auch hier der Rückblick auf die letzten 12 Monate Teilzeitinvestor, obwohl das Jahr noch nicht ganz durch ist. Wenn in den letzten zwei Dezemberwochen noch ein spontaner Aktiencrash kommt, kann ich den Artikel ja immer noch überarbeiten…

Generell war 2017 geprägt vom Zuschauen an der Seitenlinie: Zinsen auf Tiefsständen, Aktien auf Rekordniveau. Keine Anlageklasse hat mich dieses Jahr so richtig überzeugen können, mal von Kryptowährungen abgesehen. Anlagenotstand nennt man das wohl. Aber, der Reihe nach:

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Das perfekte Market Timing

Bei der Achterbahnfahrt der Börsen in den letzten Wochen ist es umso verlockender, den perfekten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu erwischen, um von den starken Schwankungen auch richtig zu profitieren. Natürlich weiss man als Kommer-gestählter Investor, dass Market Timing nicht dauerhaft erfolgreich funktioniert. Aber was soll ich sagen: Ich hab’s einfach raus.

Der perfekte Tag

Wenn es rückblickend in den letzten Wochen einen perfekten Kaufzeitpunkt gab, war das am 11. Februar. Die Märkte waren seit einiger Zeit im Rückwärtsgang, von der Spitze hatte der Dax schon gut 20% verloren. Am Donnerstag letzter Woche schien dann regelrechte Panik auszubrechen und jeder nur noch verkaufen zu wollen. Die Märkte brachen flächendeckend nochmal kräftig ein. Panik gab es aber natürlich nur bei den anderen Markteilnehmern. Ich hingegen wusste, dass das jetzt genau der Tiefpunkt ist, zu dem man einsteigen muss und habe eiskalt eine Kauforder für den Stoxx Europe 600 ETF gegeben, um von der Marktpanik zu profitieren.

Und siehe da: ich hatte recht. Schon einen Tag später schossen die Märkte wieder nach oben. Jeden Tag ging es weiter aufwärts, bis heute hat der Stoxx Europe 600 vom Tiefpunkt fast zehn Prozent gutgemacht. Keine schlechte Rendite für eine knappe Woche, soviel kann man mit ehrlicher Arbeit in so kurzer Zeit nicht verdienen.

Handeln wie ein Profi

Um das Maximum an Gewinn zu erzielen, hatte ich noch einen weiteren Profitrick angewendet: Der Kurs stand beim Setzen der Kauforder bei 30,50 EUR, mein Limit habe ich aber auf 30,20 gesetzt, um von den untertägigen Kapriolen eines Panikmarktes zu profitieren und das Tagestief abzufischen. Das ist eine narrensichere Methode, die immer funktioniert, um nochmal ein paar Promille Extrarendite einzufahren. Und auch diesmal brach der Kurs im Tagesverlauf noch weiter ein: Auf auf 30,33 EUR …

Also, im Prinzip alles richtig gemacht, praktisch alles falsch, denn die Knauserigkeit von 13 Cent beim Kurslimit hat mich um knapp 3 EUR Kursgewinn pro Stück gebracht, weil die Kauforder natürlich nicht durchgeführt wurde.

Für einen Langfristinvestor ist so ein Feilschen um ein paar Cent beim Kauf noch sinnfreier, denn auf Sicht von zehn Jahren macht es vermutlich keinen relevanten Unterschied, weil der Markt bis dahin insgesamt deutlich höher stehen sollte. Mal sehen, ob sich diese Erkenntnis bei mir irgendwann mal durchsetzt, oder doch weiterhin der Nervenkitzel überwiegt, bei Kauforders nochmal ein Extraschnäppchen machen zu wollen. Man lernt ja nie aus…

Armageddon Investing: Welche Aktien profitieren vom Ende der Welt?

Bei immer neuen Aktien-Höchstständen und gleichzeitig permanenter Euro-Krise, Dollar-Schwemme und diversen Kriegen und Krisen weltweit, warten immer mehr Anleger darauf, dass der nächste große Crash die Börse in den Abgrund reisst.

Bücher wie „Der Crash kommt“ oder „Der Crash ist die Lösung“ dominieren schon seit einiger Zeit die Bestsellerlisten. Wobei die wahren Crash-Propheten nicht von einer größeren Marktkorrektur oder einem längeren Bärenmarkt ausgehen, sondern von einer regelrechten Implosion des Geldsystems, mit Hyperinflation, weltweiter Wirtschaftskrise und Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften. Die Empfehlung ist fast immer dieselbe: Gold, Gold, und nochmals Gold – Papiergeld wird auf kurz oder lang nichts wert sein, also rein in die Krisenwährung schlechthin.

Wenn wir mal vom Mad Max Szenario absehen, bei dem die Zivilisation wie wir sie kennen aufhört zu existieren (in diesem Fall war die Mitgliedschaft im lokalen Schützenverein vermutlich die beste Investition in die Zukunft), bedeutet eine aufziehende Krise für den hartgesottenen Anleger vor allem eines: Investmentchancen.

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Kaufen auf dem Allzeit-Hoch?

DAX, Dow Jones & Co. eilen von einem Rekordstand zum nächsten. War die Marke von 10.000 beim DAX bis vor wenigen Wochen noch eine scheinbar schwer zu nehmende Hürde, liegen wir mittlerweile schon locker 10% darüber. Ist es jetzt zu spät, noch einzusteigen, steht die Korrektur oder gar ein Crash unmittelbar bevor und sollte man lieber sein Pulver trocken halten? Oder geht die Party ungebremst weiter, und die Kursstände von heute werden rückblickend als perfekte Kaufmöglichkeiten erscheinen?

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